EM 2012 News Blog

Der Fußball Blog zur WM 2010 und der kommenden EM 2012

EM 2012: Vom drohenden EM-Entzug der Ukraine und Fußfesseln für Störenfriede in Polen

February 01, 2011 Von: simon Kategorie: Uncategorized

Die Gerüchte und der Ärger um die Ukraine nehmen einfach kein Ende: Nachdem wir im Juni 2010 bereits erwähnten, dass Deutschland als Ersatz für die Ukraine einspringen könnte, gab es vor einiger Zeit Entwarnung. Die Entwicklungen beim Stadionbau seien gut und es gäbe keine Zweifel an einer rechtzeitigen Fertigstellung – hieß es.

Aber damit sollten wohl offensichtlich nur die Medien beruhigt werden. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass der Zeitplan weit überschritten ist. Es scheint so, dass von den acht EM Stadien lediglich Donezk ,Charkow (Ukraine) und Posen (Polen) im Zeitplan liegen. Vor allem das Olympiastadion in Lwiw und Kiew brauchen möglicherweise sogar noch über ein Jahr bis zur Fertigstellung. Aber was genau bedeutet “im Zeitplan” eigentlich?

Der Zeitplan sieht vor, dass alle Stadien bereits zum 30. Juni 2011 – also etwa ein Jahr vor Beginn der EM – fertiggestellt sein müssen. Diese lang erscheinende Vorlaufzeit hat vermutlich mehrere Gründe: Zum einen müssen die neuen Stadien und die ebenfalls neue Infrastruktur im Stadionumfeld erst einmal im Ligabetrieb getestet werden, die noch übrige Zeit bietet dann noch die Möglichkeit ggf. Änderungen durchzuführen. Auch für den Fall, dass ein Gastgeber den Zeitplan nicht einhalten kann scheint die Vorlaufzeit sinnvoll zu sein – davon wird die Ukraine nun möglicherweise profitieren.

Wer nun denkt, die Probleme mit dem Stadionbau wären die Einzigen, mit denen die Ukraine zu kämpfen hat, der täuscht sich – denn es kommt noch dicker: Neben dem nicht eingehaltenen Zeitplan und den explodierenden Kosten für die Baumaßnahmen (immerhin 600 statt 330 Millionen alleine in Kiew!) gibt es großen Ärger zwischen dem ukrainischen Fußballverband FFU und UEFA.  Hintergrund für den Ärger ist der Versuch des Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch, den aktuellen Verbandschef der FFU abzusetzen, der hat allerdings noch einen laufenden Vertrag bis 2012. Aktionen dieser Art sind laut FIFA und UEFA Statuten strikt verboten – der nationale Verband muss unabhängig arbeiten. Laut Spiegel wurde der Ukraine ein Ultimatum bis zum 04.02.2011 gesetzt, um die Umstrukturierung der FFU abzublasen.

Die Situation scheint also zu eskalieren. Während es gerade auf Grund der großen Vorlaufzeit eher als gutgemeinte Warnung gemeint sein wird, der Ukraine wegen Bauverzögerungen die EM zu entziehen, entwickelt sich aus der Summe aller Probleme durchaus der Eindruck, als spiele die Ukraine mit dem Feuer. Wer hätte gedacht, dass eine WM in Südafrika bis auf nervigen Vuvuzela-Lärm völlig problemlos abläuft und zwei Jahre später die EM innerhalb von Europa kurzfristig umgelegt werden könnte? Und wer könnte einspringen? Auf Grund der Entfernung und der Infrastruktur dürfte Deutschland im Fall der Fälle wieder in den Mittelpunkt rücken – ob das nötig ist, wird sich zeigen.

Aber zurück zur Überschrift: Denn während die Ukraine sich mit essenziellen Problemen umgibt, kümmert sich Nachbarland Polen schon um ganz andere Dinge: So kündigte der Justizminister Polens (Krzysztof Kwiatkowski) an, dass Polen einen neuen Umgang mit Hooligens für die kommenende Europameisterschaft plant. Statt dass sich Personen mit Stadionverbot wie bisher an Spieltagen zu Hause bei der Polizei melden müssen, möchte Polen den Rowdies einfach elektronische Fußfesseln anlegen. “Nur so können wir überprüfen, ob die betreffenden ‘Fans’ wirklich zu Hause sind”. Zur Zeit haben in Polen immerhin über 1800 Leute nationales Stadionverbot.

Update: Kurz vor Ablauf des Ultimatums hat die Ukraine wie zu erwarten doch noch eingelenkt – die Ablösung von Fußball-Verbandschef Grigori Surkis ist damit vom Tisch.